Quellen & Belege · Sources & References
| Aussage im Video | Quelle |
|---|---|
| Die gewerkschaftseigene Neue Heimat (Sitz Hamburg, Eigentum des DGB) baute bis 1982 über 460.000 Wohnungen und war damit der größte Wohnungskonzern Westeuropas; abgewickelt wurde sie bis 1998 | Wikipedia: Neue Heimat; Kramper 2012 (PDF) |
| In München-Neuperlach entstand ab 1963 ihr größtes Projekt: Grundsteinlegung am 11.05.1967, geplant waren 25.000 Wohnungen für 80.000 Einwohner | Architekturmuseum der TUM (Pinakothek der Moderne): Ausstellung „Neue Heimat" |
| Am 8. Februar 1982 enthüllte der Spiegel die privaten Geschäfte der Vorstände — der Anfang vom Ende des Konzerns | Der Spiegel, Heft 6/1982 (08.02.1982) |
| Ende 1985 standen 17,1 Milliarden DM Gesamtverpflichtungen in den Büchern — einschließlich dinglich gesicherter Hypotheken | Kramper: Das Ende der Gemeinwirtschaft, Archiv für Sozialgeschichte 52 (2012), S. 111 ff. (PDF) |
| Am 18./19.09.1986 verkaufte der DGB den Konzern für eine symbolische D-Mark an einen Berliner Unternehmer; auf Druck der Gläubigerbanken wurde der Verkauf nach rund zwei Monaten rückabgewickelt | Kramper 2012 (PDF) |
| Strafrechtlich verurteilt wurde kein Vorstand — „unehrenhaft, aber tatsächlich nicht ungesetzlich"; der Vorstandschef verlor seinen Zivilprozess (festgestellte Pflichtverletzung, Widerklage über 10 Mio DM) und starb am 26.11.1984, zwei entlassene Vorstände gewannen ihre Klagen und erhielten Abfindungen | Kramper 2012 (PDF) |
| Der Untersuchungsausschuss des Bundestages beschäftigte 1987 das Bundesverfassungsgericht: BVerfGE 76, 363 (Beschluss vom 01.10.1987) klärte die Kompetenzen des Ausschusses | BVerfGE 76, 363 (Volltext) |
| Die Wohnungsgemeinnützigkeit wurde durch das Steuerreformgesetz 1990 aufgehoben — beschlossen am 23.06.1988, in Kraft ab 01.01.1990 | Wissenschaftliche Dienste des Bundestages (Sachstand zur Wohnungsgemeinnützigkeit) |
Gebaut ist nicht Bestand: Über 460.000 Wohnungen wurden bis 1982 gebaut; der Bestand beim Verkauf 1986 lag bei rund 270.000 bis 300.000 Wohnungen. Beide Zahlen werden im Video bewusst getrennt gehalten — dieselbe Regel galt im Satz-Audit auch für Titel und Thumbnail. Die 17,1 Milliarden DM (Stand 1985) sind Gesamtverpflichtungen einschließlich dinglich gesicherter Hypotheken, keine „freien Schulden"; die häufig kursierenden „20 Milliarden" sind unbelegt.
Zu den Siedlungen: Das Video nennt nur Projekte mit gesicherter Zuordnung zur Neuen Heimat: München-Neuperlach, Neue Vahr Bremen, Hamburg-Mümmelmannsberg, Kiel-Mettenhof und Nürnberg-Langwasser. Die Berliner Gropiusstadt (Bauherren GEHAG und Degewo) und Hamburg-Steilshoop gehören trotz verbreiteter Zuschreibung nicht dazu.
Rechtlich: Es gab keine strafrechtliche Verurteilung eines Vorstands — die Verfahren waren zivil- und arbeitsrechtlich. Der Vorstandschef starb im November 1984 vor einem möglichen Urteil in weiteren Verfahren; es gilt die Unschuldsvermutung, auch post mortem. Die Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten aus dem Jahr 1993 gehört zur co-op-Affäre und hat mit der Neuen Heimat nichts zu tun. Wie in allen Folgen verzichtet das Video auf Namensnennungen.
Verdeckte Grundstücksgeschäfte: Die Terrafinanz kaufte Boden in München-Neuperlach (nicht „bei München"), und die Vorstände waren daran über eine Treuhandschaft verdeckt beteiligt — das ist der Kern des Skandals. Die Enthüllung dieses Details brachte erst die dritte Spiegel-Story (17.05.1982), nicht die erste vom Februar.
Kein Steuerzahler-Bailout: Ein Bailout durch den Steuerzahler ist nicht belegt — die Gewerkschaftsholding wendete die Insolvenz aus eigener Kraft ab. Zur Wohnungsgemeinnützigkeit stellt das Video Abschaffung und Skandal nebeneinander, ohne Kausalität zu behaupten: Die Forschung wertet die Abschaffung als „unmittelbare Reaktion" auf den Fall Neue Heimat (Kramper), die offizielle Gesetzesbegründung nannte jedoch den Abbau von Steuersonderregelungen.